„Soziales Handeln auf christliche Grundlage“

Veröffentlicht am 15.02.2007 in Allgemein

Bamberg. Im vollbesetzten Veranstaltungssaal der Pizzeria Salino stellten Geschäftsführerin Jutta Kutnyak und Geschäftsführer Bernhard Poesdorf den Jusos Bamberg-Land die Arbeit der Caritas in Landkreis und Stadt vor. Neben der Organisationsstruktur und dem Leitbild standen die Angebote der Caritas für Jugendliche und Familien im Zentrum des Vortrags.

Als einer der größten Arbeitgeber im sozialen Bereich mit ca. 500.000 in rund 25.000 Einrichtungen bundesweit prägt die Caritas auch das Angebot unter Anderem in der Kinder- und Jugendarbeit, der Bürgerberatung, der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege in Bamberg mit. Frau Kutnyak betonte, „dass die Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden wie der Arbeiterwohlfahrt der dem Roten Kreuz in Bamberg wichtig ist und auch sehr gut läuft.“ Allerdings sei die Grundlage für die Arbeit der Caritas der Einsatz der unzähligen Ehrenamtlichen, ohne die es keine Caritas geben. „Dies kennen wir aus allen Bereichen zivilgesellschaftlicher Arbeit,“ so Gemeinderätin Andrea Spörlein (SPD, Strullendorf) in der Diskussion, „und leider würdigen viele Politiker diesen Einsatz viel zu wenig.“
Ihrem seit den neunziger Jahren entwickelten Leitbild, das, so Bernhard Poesdorf, beschreibt, „wer wir sind, was wir machen, und warum wir es machen“ zufolge versteht sich die Caritas als „Dienst am Nächsten“ und beziehe dieses Verständnis aus dem Evangelium. Auf eine Nachfrage aus dem Publikum hin führte er aus, das der Begriff des „Nächsten“ universell zu verstehen und nicht durch Religion oder Ethnie bestimmt sei. So dienten z.B. interkulturelle Schulungen dazu, den Bedürfnissen von Betreuten mit Migrationshintergrund Rechnung zu tragen. Grundanliegen der Caritas sei es, sich für solidarisches Handeln auf christlicher Grundlage einzusetzen. Wie Frau Kutnyak erläuterte, bedeute dies auch, in politischen Diskussionen Stellung zu nehmen und manche Vorschläge zu kritisieren. Gefragt nach der Art, auf welche Weise die Caritas politisch aktiv werde, wies Kutnyak wiederum darauf hin, wie wichtig es sei, sich mit anderen Verbänden, die auch über Expertenwissen verfügten, zu koordinieren. Dienst am Nächsten heiße eben auch, in ihrem Interesse zu sprechen.
Dies ließ sich am Beispiel des Bayerischen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetzes (BayKiBiG) verdeutlichen, das, so Kutnyak, „Nachteile für die pädagogische Arbeit bringt.“ Bei der gleichen Zahl von Kindern musste die Zahl der Betreuer von 6 auf 4,75 gesenkt werden. Zusätzlich brächten die Auflagen einen „immensen Verwaltungsaufwand“ mit sich. Leidtragende dieser Entwicklung sind die betreuten Kinder, für die weniger Zeit bleibt. Familienangebote am Wochenende mit dem Ziel „weg vom Fernseher“ seien sogar überhaupt nicht mehr möglich.
Dies geschieht in einer Zeit, in der Unterstützung für sozial Schwache immer mehr in Anspruch genommen wird. So wachse z.B. laut Kutnyak der Kundenstamm des Josefslädchens stetig. Ausgehend von einer Armutsuntersuchung der Caritas 1999 bewusst als Alternative zur unentgeltlichen Abgabe von Waren gegründet. Armut sei leider immer noch mit einem Makel behaftet, und das Lädchen ermögliche es den Kunden, diesem empfundenen Makel zu entgehen. Menschen mit niedrigem Einkommen können eine Kundenkarte erhalten, die sie zum Einkauf der sehr günstig angebotenen Ware berechtigt, und immer mehr Menschen – Arbeitslose, Kinderreiche, Alleinerziehende, Rentner und viele andere – machten von dem Angebot Gebrauch.
Unter den vielen Einrichtungen der Caritas für die Stadt Bamberg traf vor allem das Projekt „Menschen in Not“ bei den Anwesenden auf Interesse. Hervorgegangen sei dies einer ehrenamtlichen Initiative in der Pfarrei St. Martin, so Bernhard Poesdorf, und sei ein Beispiel für die Zusammenarbeit der Caritas mit den einzelnen Pfarreien. Die Caritas habe das Projekt unterstützt und ihm einen rechtlichen Rahmen gegeben. Inzwischen bietet es ein Tagescafé, eine Wärmestube, eine Beratungsstelle und sogar vier Zimmer für betreutes Wohnen. Ziel sei es, so Poesdorf, Obdachlosen dabei zu helfen, wieder eine feste Wohnung zu finden. Dies sei gewöhnlich erfolgreich, nicht zuletzt durch die begleitende Unterstützung einer hauptamtlichen Sozialpädagogin.
Nach dem Vortrag und der lebhaften Diskussion bedankte sich Jonas Merzbacher, Vorsitzender der Jusos Bamberg-Land, bei den Referenten und kündigte an, dass „wir die Einladung, eine Einrichtung der Caritas zu besuchen und im Detail kennen zu lernen, bestimmt bald annehmen werden.“

 

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