
Die Einweisung fand am Freitag um 21 Uhr im Willy-Brandt-Haus statt
Der Hallstadter Christian Günthner war als einer von 400 Freiwilligen in Berlin, um das Mitgliedervotum der SPD zum Koalitionsvertrag auszuzählen. Hier schildert er seine Eindrücke.

Der Hallstadter Christian Günthner war als einer von 400 Freiwilligen in Berlin, um das Mitgliedervotum der SPD zum Koalitionsvertrag auszuzählen. Hier schildert er seine Eindrücke.
Als einer von drei Oberfranken und insgesamt gut 400 Personen Deutschlandweit durfte ich das erste Mitgliedervotum über einen Koalitionsvertrag in der Geschichte der BRD mit auszählen.
Los ging es am Freitag Abend, denn um 21:00 Uhr fand die Einweisung im Willy-Brandt-Haus statt.
Dort wurde uns das genaue Verfahren mitgeteilt. Es würde drei Gruppen geben. Die erste Gruppe sollte die Briefe öffnen und begann um 1:00 Uhr. Die Gruppe, in der ich gelandet war, war die der Sortierer. Wir begannen um 4:30 Uhr. Unsere Aufgabe war es, die Stimmzettel aus den Briefen herausnehmen und nach „Ja“, „Nein“ oder „Ungültig“ zu sortieren.
Die Auszähler, deren Arbeitsbeginn um 9:30 Uhr war, mussten die Stimmzettel dann nur noch zählen.
Nach einer kurzen Nacht traf ich dann in der STATION Berlin, einer alten Posthalle, ein. Nachdem ich an drei Sicherheitstüren meinen Ausweis vorzeigen musste, befand ich mich in der Halle. Im Eingangsbereich wurden wir gebeten, unsere Handys in bereitstehende Schließfächer einzuschließen, damit niemand auf die Idee kommt, vor der Bekanntgabe des Ergebnisses eine Tendenz zu „zwitschern“.
Es folgte eine kurze Einweisung vor Ort, und dann konnten wir schon beginnen, 369.680 Stimmzettel zu sortieren. Wir saßen jeweils zu zweit an einem Tisch, alle strittigen Stimmzettel wurden der sog. „Mandatsprüfungs- und Zählkommission“ vorgelegt, die dann in einer großen Runde (45 Personen) über alle unklaren Stimmzettel entschied. Insgesamt lässt sich sagen, dass überhaupt kein Zweifel an der rechtmäßigen Durchführung der Auszählung besteht. Eine solche Fülle an Sicherheitsvorkehrungen, wie ich sie dort erlebt habe, ist selbst bei Bundestagswahlen so nicht gegeben.
Viele tausend Stimmzettel wanderten durch meine Hände. Da meine Gruppe etwas schneller war als erwartet, waren wir bereits um 11:30 mit Sortieren fertig. Somit war für uns die Arbeit getan. Da wir aber die Halle nicht verlassen durften (der Geheimhaltung wegen), mussten wir uns anderweitig beschäftigen, was einen positiven Nebeneffekt hatte: Viele Gespräche mit netten Menschen aus ganz Deutschland und anschließend viele Visitenkarten.
Wie das Mitgliedervotum ausgegangen war, erfuhren wir erst zusammen mit der Presse, allerdings hatten wir schon eine Ahnung, denn die Kistenstapel mit den „Ja“- und „Nein“-Stimmen ließen schon eine gewisse Tendenz erkennen.
Mit einem solch eindeutigen Ergebnis von 75,96 % hatten aber auch bei uns die Wenigsten gerechnet, daher war die Freude bei uns auch entsprechend groß.
Eine Pressekonferenz mal live mitzuerleben, war auch eine sehr spannende Erfahrung. Zum Schluss wurde ich selbst auch noch von der „Deutschen Welle“ interviewt.
Alles in Allem war es ein spannendes Wochenende und für mich etwas ganz Besonderes, bei diesem bisher einmaligen Verfahren mitwirken zu dürfen.
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